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Akkorde nach Gehör herausfinden

Du brauchst weder das absolute Gehör noch Notenkenntnisse. Die meisten Songs kommen mit drei oder vier Akkorden aus, die zusammengehören. Finde den Ton, auf dem das Stück zur Ruhe kommt, und du weißt schon, in welcher Akkordfamilie du suchen musst.

Warum das überhaupt klappt

Ein Song nimmt seine Akkorde nicht wahllos. Er steht in einer Tonart, und jede Tonart hat ihre kleine Akkordfamilie. In G-Dur zum Beispiel tauchen vor allem G, C, D und Em auf. Kennst du die Tonart, suchst du nicht mehr unter Dutzenden Akkorden, sondern unter sechs oder sieben Kandidaten. Der Rest ist Ausschlussverfahren.

Schritt 1: den Ruheton finden

Hör dir das Ende des Refrains an oder den allerletzten Ton des Stücks. Da gibt es einen Ton, der nach „Zuhause“ klingt: Die Melodie landet dort, und du spürst, dass Schluss ist. Das ist der Grundton.

Summ ihn und such ihn dann auf der Gitarre: Geh auf einer Saite Bund für Bund nach oben, bis der gespielte Ton mit deinem gesungenen verschmilzt. Schwankst du zwischen zwei benachbarten Bünden, ist oft der tiefere der richtige: Beim Singen landet man gern etwas zu hoch.

Mit Fredon singst du diesen Ton einfach: Die App erkennt ihn live, zeigt ihn an und schlägt passende Akkorde vor, samt Griff. Mehr dazu steht im Guide Tonart eines Liedes bestimmen.

Schritt 2: Dur oder Moll?

Du hast den Grundton, sagen wir A. Spiel zum laufenden Song einen A-Dur-Akkord und dann einen a-Moll-Akkord. Einer passt, der andere reibt. Moll klingt meist dunkler oder melancholischer, aber verlass dich lieber auf den Test als auf den Eindruck.

Schritt 3: die wahrscheinlichen Akkorde auflisten

In einer Dur-Tonart erledigen vier Akkorde den Großteil der Arbeit: der Akkord auf dem Grundton (die I), die Akkorde auf der 4. und 5. Stufe der Tonleiter (IV und V) und der Moll-Akkord auf der 6. Stufe (vi). So sieht das in den Tonarten aus, die auf der Gitarre am häufigsten vorkommen:

  • C-Dur: C, F, G, Am (manchmal auch Dm, Em)
  • G-Dur: G, C, D, Em (manchmal auch Am und Hm, im Griffbild Bm)
  • D-Dur: D, G, A, Hm (manchmal auch Em, F♯m)
  • A-Dur: A, D, E, F♯m (manchmal auch Hm, C♯m)
  • E-Dur: E, A, H, C♯m (manchmal auch F♯m, G♯m)

In Moll gehst du vom Moll-Grundakkord und seinen Nachbarn aus. In a-Moll: Am, Dm, Em oder E (sehr häufig, weil E zurück nach Am zieht), C, F und G. In e-Moll: Em, Am, Hm oder H7, C, D und G.

Die vier Akkorde, die in Songs in G-Dur ständig wiederkehren.

Schritt 4: dem Bass folgen

Der tiefste Ton, den du hörst (Bass, linke Hand am Klavier, tiefe Gitarrensaite), verrät fast immer den Namen des Akkords. Konzentrier dich darauf, summ ihn mit und such ihn auf den tiefen Saiten. Geht der Bass von G nach E, wechselt der Akkord sehr wahrscheinlich von G nach Em.

Vorsicht, Ausnahmen: Manchmal spielt der Bass einen anderen Akkordton oder einen Durchgangston zwischen zwei Akkorden. Passt ein Basston zu keinem Akkord auf deiner Liste, warte den nächsten ab.

Schritt 5: hören, wo gewechselt wird

Zähl leise mit: 1, 2, 3, 4. In den allermeisten Songs wechseln die Akkorde auf der 1, oft alle ein oder zwei Takte. Schreib dir das Schema als Reihe von Kästchen auf, eins pro Takt, und füll sie nach und nach aus.

Schritt 6: ausprobieren und aussortieren

Spiel jeden Kandidaten im passenden Takt. Ein richtiger Akkord verschmilzt mit der Aufnahme. Ein falscher reibt deutlich, vor allem wenn die Stimme einen langen Ton hält. Eine einfache Regel hilft enorm: Auf den betonten Zählzeiten gehört der gesungene Ton fast immer zum Akkord. Hält die Stimme ein H, sind G (G H D) oder Em (E G H) gute Verdächtige, C eher nicht.

Akkordfolgen, die immer wieder auftauchen

Mit etwas Übung erkennst du ganze Folgen wieder. Ein paar, die du kennen solltest, hier in G-Dur:

  • I – V – vi – IV: G, D, Em, C. Hunderte Pop-Hits bauen darauf auf.
  • I – IV – V: G, C, D. Die Basis von Rock, Blues und Folk.
  • vi – IV – I – V: Em, C, G, D. Dieselbe Farbe wie die erste Folge, nur von einem anderen Startpunkt aus.
  • I – vi – IV – V: G, Em, C, D. Der Sound der Balladen aus den 50ern und 60ern.

Hast du zwei Akkorde einer dieser Folgen gefunden, probier gleich die anderen beiden.

Tipps, die Zeit sparen

  • Fang mit dem Refrain an. Er ist oft einfacher und wiederholt sich mehr als die Strophe.
  • Verlangsame die Aufnahme. Die meisten Player können auf 0,75× schalten, ohne die Tonhöhe zu verändern.
  • Nimm einen Kapodaster. Steht der Song in B oder Es (im Griffbild B♭ und E♭), setz den Kapo und spiel einfache offene Griffe. Der Guide Kapodaster erklärt zeigt, welchen Bund du wählst.
  • Schreib alles auf. Selbst ein halb ausgefülltes Schema erspart dir, am nächsten Tag von vorn anzufangen.

Hast du die Melodie im Kopf, aber die Aufnahme nicht zur Hand, ist der Melodie-Modus von Fredon ein guter Startpunkt: Sing die Melodie (bis zu 60 Sekunden), die App schreibt sie mit, erkennt die Tonart und schlägt eine Akkordfolge vor, mit Alternativen und bei Bedarf einem Kapo-Tipp. Danach vergleichst du mit dem Original und korrigierst nach Gehör.

Die häufigsten Fehler

  • Eine verstimmte Gitarre. Ist dein Instrument einen Viertelton zu tief, klingt nie etwas richtig. Fang damit an, deine Gitarre zu stimmen.
  • Eine Aufnahme, die nicht auf 440 Hz steht. Manche Songs liegen etwas höher oder tiefer als üblich oder sind einen Halbton tiefer gestimmt. Reibt alles ein bisschen, kann es daran liegen.
  • Zu komplizierte Akkorde suchen. Fang mit der einfachsten Version an, Dur oder Moll. Septakkorde und Erweiterungen kommen später.
  • Sich nur auf die Melodie verlassen. Zu ein und demselben gesungenen Ton passen mehrere Akkorde. Oft entscheidet der Bass.

Häufige Fragen

Muss ich Noten lesen können?

Nein. Es hilft zu wissen, wo die Töne auf dem Griffbrett liegen, und mit einem Dutzend offener Akkorde kommst du bei den meisten Songs aus. Wenn du gerade anfängst, beginn mit den 8 Gitarrenakkorden für Anfänger.

Wie lange dauert das?

Der erste Song kann eine Stunde dauern. Der zehnte eine Viertelstunde. Das Gehör lernt schnell, weil dieselben Folgen von Song zu Song wiederkehren.

Und wenn der Song die Tonart wechselt?

Das kommt vor, oft im letzten Refrain, der einen Ganz- oder Halbton höher geht. Wiederhol Schritt 1 für diese Stelle: Such den neuen Ruheton und verschieb das ganze Schema um denselben Abstand. Wie das geht, zeigt der Guide Akkorde transponieren.

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