Die vier Stimmungen auf einen Blick
Die Saiten stehen von der tiefsten (6.) bis zur höchsten (1.). Namen wie „DADGAD“ sind einfach die Töne der Saiten hintereinander. Nur beim H aufpassen: Englisch heißt es B, deshalb steht in den Griffbildern dieser Seite ein B, wo wir H schreiben.
| Stimmung | 6. | 5. | 4. | 3. | 2. | 1. | Was sich ändert |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Standard | E | A | D | G | H | E | — |
| Drop D | D | A | D | G | H | E | 6.: einen Ganzton tiefer |
| DADGAD | D | A | D | G | A | D | 6., 2., 1.: einen Ganzton tiefer |
| Open G | D | G | D | G | H | D | 6., 5., 1.: einen Ganzton tiefer |
| Open D | D | A | D | Fis | A | D | 6., 2., 1.: einen Ganzton; 3.: einen Halbton |
Gute Nachricht: Bei allen vier werden Saiten nur entspannt.
Umstimmen ohne Stress
- Fang mit einer gestimmten Gitarre in Standardstimmung an (siehe Gitarre stimmen).
- Geh etwas zu tief und dann wieder hoch zum Zielton. Eine von unten gestimmte Saite hält besser.
- Geh alles noch einmal durch. Drei Saiten zu entspannen ändert die Spannung am Hals: Die anderen verschieben sich leicht. Zwei Durchgänge reichen meistens.
Das Stimmgerät von Fredon kennt diese vier Stimmungen: Es zeigt die Kopfplatte der Gitarre, lässt die gespielte Saite aufleuchten und sagt dir, ob du spannen oder entspannen musst.
In den Griffen unten stehen die Positionen Saite für Saite, von der 6. zur 1.: eine Zahl für den Bund, 0 für eine Leersaite, x für eine Saite, die nicht gespielt wird.
Drop D: D A D G H E
So stimmst du um
Nur die 6. Saite geht runter, von E auf D. Hörprobe: Die 6. Saite im 7. Bund muss wie die leere 5. Saite klingen (A). Oder einfacher: Leer klingt sie eine Oktave unter der 4. Saite.
Was man damit macht
Die drei tiefen Saiten bilden einen Powerchord (D-A-D). Ein einziger Finger quer über diese drei Saiten ergibt in jedem Bund einen Powerchord: 2. Bund für E, 5. Bund für G, 7. Bund für A. Das ist die Stimmung schlechthin für harten Rock, Grunge und Metal. Du findest sie zum Beispiel in „Killing in the Name“ von Rage Against the Machine oder „Moby Dick“ von Led Zeppelin. Im Folk nutzen die Beatles sie bei „Dear Prudence“ für den tiefen D-Bass.
Grundakkorde
Alle Akkorde, die die 6. Saite nicht benutzen, bleiben gleich. Nur die, die sich auf den tiefen Bass stützen, ändern sich:
- D: 0 0 0 2 3 2, das übliche D mit zwei zusätzlichen leeren Bässen;
- G: 5 x 0 0 0 3, der Bass wandert in den 5. Bund;
- A: x 0 2 2 2 0, unverändert;
- Em: 2 2 2 0 0 0, ein Finger mehr auf der 6. Saite.
DADGAD: D A D G A D
So stimmst du um
Stimm die 6. Saite (E → D), die 2. (H → A) und die 1. (E → D) einen Ganzton tiefer. Die leere 2. Saite muss wie die 5. eine Oktave höher klingen, die 1. wie die 4. eine Oktave höher.
Was man damit macht
Leer gespielt klingt die Gitarre nach einem Dsus4, weder Dur noch Moll. Diese Mehrdeutigkeit passt zu den modalen Melodien der keltischen Musik, ob irisch oder bretonisch, und zum Fingerstyle: Die Leersaiten brummen als Bordun mit, während die Finger die Melodie spielen. Der britische Gitarrist Davy Graham hat die Stimmung bekannt gemacht, Pierre Bensusan sie zu seinem Markenzeichen. Im Rock nutzt Jimmy Page sie für „Kashmir“ und „Black Mountain Side“.
Grundakkorde
- Dsus4: 0 0 0 0 0 0, alle Saiten leer;
- D: 0 0 4 2 0 0, das Fis liegt auf der 4. Saite;
- Dm: 0 0 3 2 0 0, derselbe Griff, einen Bund tiefer auf der 4. Saite;
- G: 5 5 0 0 2 0;
- Asus4: x 0 2 2 0 0, das ganz natürlich zurück zum D zieht.
Open G: D G D G H D
So stimmst du um
Stimm die 6. Saite (E → D), die 5. (A → G) und die 1. (E → D) einen Ganzton tiefer. Die 4., 3. und 2. Saite bleiben, wie sie sind. Hörprobe: Die 5. Saite muss wie die 3. eine Oktave tiefer klingen.
Was man damit macht
Leer angeschlagen ergeben die sechs Saiten einen G-Dur-Akkord. Das ist die Stimmung des Bottleneck-Blues und eines guten Teils des Rocks der Rolling Stones: Keith Richards spielt „Honky Tonk Women“, „Brown Sugar“ oder „Start Me Up“ in Open G, oft ganz ohne 6. Saite. Auch das 5-saitige Banjo ist leer auf einen G-Akkord gestimmt, daher der verwandte Klang.
Grundakkorde
Ein Finger quer über alle Saiten ergibt in jedem Bund einen Dur-Akkord. Mit drei Positionen spielst du I, IV und V der Tonart G-Dur:
- G: alle Saiten leer;
- C: Barré im 5. Bund;
- D: Barré im 7. Bund.
Mit dem Bottleneck legst du das Röhrchen einfach über das 5., 7. oder 12. Bundstäbchen (G, eine Oktave höher). Moll-Akkorde brauchen mehr Finger: Fang mit den Dur-Akkorden an.
Open D: D A D Fis A D
So stimmst du um
Stimm die 6. Saite (E → D), die 2. (H → A) und die 1. (E → D) einen Ganzton tiefer, dann die 3. nur einen Halbton (G → Fis). Das ist DADGAD mit der 3. Saite einen Halbton tiefer: Bist du schon in DADGAD, musst du nur eine Saite anfassen.
Was man damit macht
Leer klingt die Gitarre nach einem großen D-Dur-Akkord, weit und tief. Du findest die Stimmung im Bottleneck-Blues, im Folk und im Fingerstyle. Open E, im Slide sehr beliebt, hat genau dieselbe Form einen Ganzton höher: Alles, was du in Open D lernst, lässt sich eins zu eins übertragen.
Grundakkorde
- D: alle Saiten leer;
- G: Barré im 5. Bund;
- A: Barré im 7. Bund.
Tipps und Fallen
- Der Kapodaster funktioniert auch hier. Open G mit Kapo 2 ergibt Open A, Drop D mit Kapo 2 ergibt Drop E. Die Formen bleiben gleich (siehe Kapodaster-Guide).
- Eine entspannte Saite schnarrt eher. Schlag die 6. Saite etwas sanfter an, vor allem in Drop D.
- Übertrag deine Standardgriffe nicht einfach. Die gelernten Formen ergeben auf den umgestimmten Saiten nicht mehr dieselben Akkorde. Die Akkordbibliothek von Fredon zeigt die Griffe in der gewählten Stimmung, vom einfachsten bis zum schwersten.
- Komponier damit. Eine unbekannte Stimmung zwingt dich, nach Gehör zu suchen, und bringt Ideen hervor, auf die du in Standardstimmung nie gekommen wärst.